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Selbstoptimierung: Mein bestes Ich

Kurz vor Weihnachten. Mama am Telefon: „Ich hab schon alle Weihnachtsgeschenke für Oma, Opa und Papa, sie bekommen alle ein Fitnessarmband!…“ Oha! Mama, willst du damit sagen , sie sollen mehr für sich selbst tun?
Auf meinem Weg nach Hause zu Weihnachten nehme ich am Bahnhof noch kurz die Januar-Ausgabe der Neon mit und siehe da: die Rubrik „Meine Meinung“ beschäftigt sich dieses Mal mit dem Thema Selbstoptimierung und interpretiert diese eher positiv als „Weiterentwicklung“. Diese Weiterentwicklung wird als selbstbestimmtes Handeln und Entscheiden dargestellt.
Kurze Zeit später lese ich im Zeit-Feuilleton den Jahresrüblick „Der neue Mensch“, in dem auf die Themen Sterbehilfe, Social Freezing und Gendertheorie eingegangen wird. Es wird ein beunruhigendes Bild des Menschen als Roboter gezeichnet, dessen natürliche Vorgänge in unserer Gesellschaft schon jetzt soweit wie möglich optimiert und kontrolliert werden. Es geht auch um die Optimierung der Kontrolle über den Menschen.
Da vor kurzen ja wiedermal haha! das neue Jahr anstand und sich etliche Menschen Vorsätze für 2015 machten was sie in ihrem Leben alles verbessern können, sah ich mich auch mit meiner eigenen Selbstoptimierung konfrontiert.
Im Alltag, in Gesprächen mit Freunden und Familie, sowie in den Medien fiel mir immer wieder auf, wie weit diese schon im Privaten angekommen ist.

Gesundheit = gestählter Körper um jeden Preis?

Beispiel Fitnessstudio: Am Montag war ich in einem Kurs namens „Body Pump“, der mit dem Slogan „The fastest Way to get in shape“wirbt, was mir meine Begleiterin gleich zu Beginn begeistert erzählte.
Was ist wenn ich nicht in „Shape“ kommen will und schon gar nicht so schnell wie möglich? Was wenn ich rein aus Spaß in den Kurs gehen möchte oder um etwas Gemeinsames mit meinen Lieben zu unternehmen? Sollte das nicht im Vordergrund stehen?

Prozessoptimierter Sex

Auch in der kürzlich ausgestrahlten Sendung „Make Love“ im MDR, wird Paaren, die vermeintlich Probleme beim Sex haben erklärt, wie sie richtigen und möglichst guten, also prozessoptimierten!, Sex haben können. Dabei wird das Paar vor die Kamera gestellt, sie werden von der Sexologin (auch getrennt voneinander) zu ihrem Sexleben befragt und anschließend wird ihnen auf höchst unsinnliche Weise erklärt wie sie es denn besser machen könnten.
Dabei ist Sex doch etwas sehr Persönliches und Individuelles, bei dem es kein Richtig oder Falsch gibt. Ich finde man darf sich auch auf Umwege begeben und ausprobieren! Das gilt natürlich nicht nur für Sex. Es sollte auch noch Platz für Scheitern und zum Dinge selbst erfahren geben. Überhaupt ist Scheitern hauptsächlich negativ besetzt. Der Umstand dass man daraus vieles lernen kann wird oft vernachlässigt bzw. gar nicht angesprochen. Eine eigene gemachte Erfahrung ist oft befriedigender als vorgefertigte, schon gegangene Wege. So kann man auch aus einem Scheitern gestärkt hervorgehen.

Genuss „healthified“

Beim Surfen im Internet springen mich auf diversen Foodblogs „healthified versions“ von Rezepten an, die es möglich machen sollen, vormals „ungesunde“ Gerichte, ohne schlechtes Gewissen, genießen zu können, enthalten sie doch weniger Kalorien, Fett und Zucker.
Warum schaltet sich bei einer großen Anzahl von Menschen, mich  eingeschlossen, ein schlechtes Gewissen ein, sobald sie etwas essen, dass man so nicht als gesund deklarieren würde? Warum ist vorrangig das Label „gesund“ bei der Auswahl von Speisen wichtig, nicht aber „Genuss“? Und sollte nicht der Genuss, sei es bei „gesunden“ oder „ungesunden“ Gerichten, im Vordergrund stehen?

Freie Zeit ohne Freiheit

Kürzlich sind auch meine Freundin und ich bei einer leckeren Ramensuppe auf das Thema Selbstoptimierung gestoßen. Und uns viel auf, dass neben der Arbeit/Uni/Ausbildung, sogar die Freizeit durchoptimiert wird. Sie muss möglichst effizient genutzt und durchrationalisiert werden. Alles was wir in unserer freien Zeit tun, soll einen Sinn machen und uns tolle Erlebnisse liefern. Zeit für „Nichts-Tun“wird nicht akzeptiert. „Das bringt Einen doch gar nicht weiter!“ würden viele sagen.
Dabei glaube ich, dass die Zeiten, in denen man nichts tut, einem eventuell sogar langweilig ist, die sind, die uns zum Nachdenken anregen, unsere Köpfe zur Ruhe kommen und neue Denkewege und Ideen entstehen lassen.

Ich will damit gar nicht sagen, dass Weiterentwicklung und das Streben nach einer Optimierung schlecht sind. Ich frage mich nur oft, ob wir in unserm Privatleben wirklich das tun was wir wollen? Oder handelt es sich dabei nicht schon um vorgefertigte, vorgegebene und aufgezwungene Meinungen, was denn optimal ist?
Gerade im Privaten, sei es in der Freizeit, in der Liebe oder im Umgang mit dem eigenen Körper, sollte es doch möglich sein ohne schlechtes Gewissen oder Druck, das zu tun, was einem gerade gut tut und wichtig ist. Dann denk ich klappts mit der Selbstoptimierung von ganz allein und noch dazu in eine Richtung, mit der man selbst glücklich ist.
Eigentlich geht es um Vertrauen in sich Selbst!

Wie seht ihr das?

rosyshrimp

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